| Die Presse über Goldmund |
| Der Kölner Stadt-Anzeiger
berichtete am 19. September 2003 über das Literaturcafe Goldmund:
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| Nachtreporterin:
Zwei Kölsch und einen Follett, bitte Bis tief in die Nacht trinken, lesen und das Buch dann einfach wieder ins Regal stellen. Das geht in einer neuen Mischung aus Antiquariat, Café und Restaurant in Ehrenfeld. Anstatt böse zu gucken, bringt der Verkäufer sogar ein Bier. In den USA und in England ist das völlig normal: Man bestellt sich einen Kaffee, stöbert in den Regalen herum und liest ein Buch an, während man eine Kleinigkeit isst. Sind die ersten Seiten gut, kauft man es, wenn nicht, wird es einfach zurück ins Regal gestellt. Und genau so etwas fehlte Ulf Nitribitt schon immer in Deutschland. Der 44-Jährige kellnerte während seines Studiums, flog als Steward bei der Lufthansa um die Welt und arbeitete als Übersetzer für Englisch und Spanisch. Was liegt da näher, als ein Lokal zu eröffnen, in dem man lesen kann - nach englischem Vorbild? Sein letzter Arbeitgeber hatte Nitribitt betriebsbedingt gekündigt, und so saß der 44-Jährige mit einer Abfindung und vielen guten Ideen auf der Straße. Der Gedanke, etwas Eigenes in der Gastronomie aufzubauen, was es so noch nicht gibt, wurde rasch in ein Projekt umgesetzt, ein Laden in der Ehrenfelder Glasstraße war schnell gefunden. Zusammen mit Freunden und Helfern renovierte Ulf Nitribitt vier Monate lang. Aus einfachem Rauputz wurden schöne weiße Wände, riesige Regale reichen fast bis zur Decke, die ein blauer Himmel ziert: das „Goldmund“. In der ersten Etage liegt die Küche, in der der ehemalige Küchenchef der Zikade kocht. Rainer Gößling will Mediterranes anbieten, das auf keinen Fall mehr als neun Euro kosten soll. Nitribitt kümmert sich um den Lesestoff zum Essen: „Wir haben rund 3000 Bücher“, erzählt er, „ein paar Regalböden deutsche Reiseliteratur und einige Erzählungen. Der Rest ist auf Englisch, Französisch, Spanisch oder Italienisch.“ Die deutschen Bücher sind zum Blättern beim Essen da, alle anderen kann man auch kaufen. „Ich habe letztens einen englischen Krimi gekauft“, erzählt Nitribitt, „da musste ich für das Paperback 18 Euro bezahlen. Und das kann ja wohl nicht sein.“ Also konzentrierte der 44-Jährige sich auf gebrauchte Bücher: Second Hand, aber nicht verschlissen. „Ich habe Kontakt zu einem Antiquariat in England“, berichtet er, „da habe ich viele Bücher gekauft.“ Über ein Zeitungsinserat kamen weitere. Eine Tour durch ein paar fremdsprachliche Antiquariate füllte die restlichen Regalböden. Die Gäste dürfen alles lesen und können ihren Lieblingsschmöker anschließend mitnehmen - für höchstens 4,90 Euro. Oder eine Kiste eigener fremdsprachlicher Bücher mitbringen und gegen einen Kaffee tauschen. Romane, Krimis und allerlei andere zeitgenössische Literatur in den verschiedenen Sprachen stehen im „Goldmund“. Und hinter der Theke wartet ein motivierter Inhaber: „Ich will auf keinen Fall nur hinter dem Tresen sein“, grinst er, „ich kann den Leuten wirklich was zu den Büchern sagen.“ Auch für Autoren soll das „Goldmund“ ein Anlaufpunkt werden. Neben den französischen Büchern steht eine kleine Bühne. „Wir überlegen, ob Autoren für ein paar Minuten etwas aus ihren Werken lesen dürfen.“ Vielleicht bei einem sonntäglichen Brunch. Bei der Eröffnung am vergangenen
Wochenende ergab sich spontan schon mal eine Neuerung: Als eine Frau plötzlich
im grellen Flurlicht auf der Treppe zur Küche hockte, war klar: Mehr
Licht muss her. Für alle nächtlichen Leseratten will Ulf jetzt kleine Lämpchen
kaufen, die man oben an das Buch knipst.
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